Was in den USA und in Australien bereits ganz normal ist, steht nun in Deutschland zur Diskussion. Fünf Großunternehmen wollen ab Herbst nur noch anonymisierte Bewerbungen annehmen und auf diese Art die Gefahr einer Diskriminierung verhindern. Angaben zu Alter, Geschlecht, Herkunft, Adresse und Familienstand sollen schlicht fehlen. Für die erste Testphase macht sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und das Bundesfamilienministerium stark, wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von »Zukunft der Arbeit« (IZA). Details darüber, wie das Verfahren genau ablaufen soll, werden die Teilnehmer in der nächsten Woche besprechen. Kritische Stimmen kommen vorab aus dem Arbeitgeberverband, der zu Bedenken gibt, dass durch die anonymisierte Bewerbung die Bemühungen der Unternehmen um Vielfalt in den Belegschaften konterkariert würden.
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Anonyme Bewerbungen finde ich absurd. Schließlich geht es darum, herauszufinden, ob ein/e Bewerber/in und ein Arbeitgeber zusammen passen. Und dazu gehört die entsprechende Qualifikation für die Stelle, aber auch die Chemie muss stimmen. Der potenzielle Kandidat sollte in die Unternehmenskultur passen und sich dort wohl fühlen. Wenn sich das erst Wochen oder Monate später herausstellt, haben beide Seiten viel Zeit und Geld verloren. Damit ist keinem gedient. Deshalb bin ich für absolute Transparenz. /// transparente Bewerberinformationen und das Abhören von Mitarbeitertelefonaten in einen Topf zu werfen ist … geschmacklos. Guten Appetit ;-)
Ich freu mich über diesen Versuch der Unternehmen und halte das für einen guten Ansatz. Ob die “Chemie” stimmt kann man eh nur in einem persönlichem Gespräch herausfinden, nicht anhand eines Fotos. Ich wünsche mir eh die Köpfe der Menschen werden mal etwas freier und kommen davon ab, immer vorschnell urteilen zu müssen. Mich ärgert das z.B. 50ig Jährige oder Mütter oft keinen Job mehr bekommen. Schade auch um die vielen ungenutzen Kapazitäten. Leider sind mir die Erfahrungen diesbezüglich in USA und Australien nicht bekannt. Soweit ich weiß ist es dort selbstverständlich?
Hallo Uli, die Motivation mag eine Sinnvolle sein, die hinter diesen Maßnahmen steckt (Vorurteile abbauen, keine Diskriminierung aufgrund von Alter, Geschlecht, Nationalität etc., ), aber dies ist m.E. nicht der richtige Weg.
Um Mütter oder Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind oder mit Migrationshintergrund in Lohn und Brot zu bringen, bedarf es meiner Ansicht ganz anderer Maßnahmen. Da haben wir auch noch ne Menge vor uns. Denn die Unternehmen brauchen jetzt schon jede qualifizierte Fachkraft egal ob weiblich, mit Kind oder Mitarbeiter/innen, die älter als 50 sind. Aber die Rahmenbedingungen passen noch nicht. Es fehlen bspw. immer noch zu viele Kinderbetreuungsstätten. Und auch ein Umdenken, was den Umgang mit älteren Mitarbeitern betrifft. Aber diesen Shift bekommen wir nicht durch anonyme Bewerbungen hin. Der Shift wird sich allmählich vollziehen und zwar aus reiner Not, weil die offenen Stellen anders nicht besetzt werden können.
In den USA wird der Gleichbehandlungsgrundsatz formal stärker berücksichtigt. Aber auch dort suchen sich die Personaler alle sachdienlichen Informationen zusammen, um sich ein besseres Bild über den Bewerber zu machen. Blogs, Google, Twitter und Facebook tragen dazu bei und ich als Personalerin bin eher skeptisch, wenn ich keine Spuren von eine/m Bewerber/in online finde. Um einen Job im Digitalen Business zu bekommen ist es von Vorteil möglichst transparent aufzutreten und dazu gehört vor allem Online-Präsenz.